Geschichte der Synagoge
Die Schutzbriefe der Esterházys ermöglichten es der jüdischen Bevölkerung ihre Religion frei auszuüben. Als erstes Gebetshaus diente den Frauenkirchner Juden ein Raum im herrschaftlichen Meierhof, ein „Zimmer wo wir unser Gebeth verrichten“, für das 5 fl. als Mietzins an das Rentamt abgegeben werden mussten.
Erstmals wurde eine Synagoge 1749 urkundlich erwähnt, wo an die Grundherrschaft 30 fl „Zins für die Synagoge und den Friedhof“ entrichtet wurden. Dieser Tempel wurde durch das Feuer von 1778 vollkommen zerstört und auch der Nachfolgebau erlitt durch die Feuerkatastrophe von 1840 großen Schaden. Die Synagoge wurde zunächst nur behelfsmäßig, „auf die fast zerfallenen Gemäuer ein unanständiges Bretterdach gesetzt“, wiederhergestellt. Dieses Notprovisorium konnte jedoch, nachdem die Mauern eingestürzt waren, nicht lange gehalten werden, sodass sich die Gemeinde gezwungen sah, eine neue Synagoge zu errichten. (Im Zuge der Errichtung der Gedenkstätte am Platz der ehemaligen Synagoge stieß man 2013 auf Mauerreste. – siehe Seite Archäologie)
Nach dem Brand 1840 entschloss sich die Gemeinde eine neue, größere Synagoge zu errichten. Mit dem Bau wurde Tobias Groißl/Grüsel, ein Maurermeister aus Bruck/Leitha beauftragt. Dem Vertrag ist zu entnehmen, dass der neu zu erbauende Tempel nach dem Vorbild des Eisenstädter Tempels errichtet werden soll.
Die 1843 eingeweihte Synagoge, die Einweihungsrede hielt der damals amtierende Oberrabbiner Israel Aaron Landesberg aus Pressburg, war ein im Biedermeierstil errichtetes rechteckiges zweigeschossiges Gebäude, das außen weiß gekalkt war. Das Gebäude hatte eine Grundfläche von 19m x 13m und eine innere Lichte von 9,5m. Die beiden Längsseiten wiesen je drei Fensterachsen mit zwei Fensterreihen auf, wobei die oberen Fenster halbkreisförmig waren. An der Westseite befand sich das Haupttor, an der Südseite der kleinere Eingang für die Frauen. Von diesem konnten sie getrennt von den Männern durch einen Vorraum mit einem Stiegenaufgang die Empore/Galerie erreichen. Das Gebäude trug ein beidseitig abgewalmtes Satteldach. Die vier Kanten waren mit Sockelsteinen versehen und alle Öffnungen waren von weiß verputzten Vorsprüngen umrandet. Über der Eingangstüre zur Frauengalerie befand sich ein Zierstein.
Über das Aussehen des Inneren des Tempels existieren nur spärliche Berichte. Es gibt weder genauere Beschreibungen noch Fotos der Inneneinrichtung. Der Mittelgang des Hauptraumes dürfte mit Steinplatten, die beiden Seitengänge dürften mit Bretterböden ausgelegt worden sein. Die Galerie soll aus Holz gefertigt und von Holzsäulen getragen worden sein. Nach einer Steinmetzrechnung gab es vier Stufen zum Thoraschrein, der von vier steinernen Säulen, welche vergoldete ionische Kapitelle hatten, umgeben war. Die Decke/Himmel hatte eine Wölbung und war mit einer hellblauen Farbe gestrichen. Der Thorschrein dürfte sehr einfach gehalten, in einer Nische mit einem Vorhang umgeben, gewesen sein. Die Sitzplätze dürften sowohl im Erdgeschoß als auch auf der Frauenempore als Bank ausgeführt gewesen sein, die rechts und links den Mittelgang flankierten. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zur Installation einer elektrischen Beleuchtung.
Bereits kurz nach der NS-Machtübernahme 1938 fanden die ersten Sachbeschädigungen am Tempel statt. SA-Männer stifteten dabei Kinder an, die Fensterscheiben des Tempels mit Steinschleudern zu zerstören. Die Baumaterialien des Tempels wurden um 2.050 RM von einem Nationalsozialisten aus Gols erworben. Der Abbruch wurde im Jänner 1939 durch den Erwerber und mehrere Helfer durchgeführt. Dabei wurde der Thoraschrein mit einem Krampen zertrümmert. Bücher und Holzvertäfelungen wurden auf den Vorplatz geschmissen und angezündet. Die Sandsteinquader des Tempels wurden mit Pferdewagen abtransportiert.
(© Herbert Brettl)


Die Thora
Beim Besuch der Familie Fried im April 2016 in Frauenkirchen kam es zu einer freudigen Überraschung. Die zerstört geglaubte Thora der Frauenkirchner Synagoge kam wieder zum Vorschein. Im März 1938 sperrten die Nationalsozialisten die Synagoge. Emanuel/Menachem Fried begab sich zum versperrten Tempel und kletterte durch ein Fenster in den Innenraum. Er entnahm die Thora, brachte sie im Zuge seiner Auswanderung mit nach Israel und rettete somit diese vor dem Zerstörungswerk der Nazis. Im Jahr 2007, nach dem Tode von Emanuel Fried, ließ die Familie einen neuen Thoramantel anfertigen. Darauf wird des verstorbenen Emanuels, dessen Gattin Rachel und der Rettung der Thora gedacht.
Die Thora von Frauenkirchen befindet sich heute in der „Heimatsynagoge“ der Familie Fried in der Nähe von Jerusalem und die Familienmitglieder lesen jeden Sabbat daraus.
Fotos von Uri Fried:
Die aufgerollte Thora.
Der Thoramantel.


Rekonstruktion der Synagoge von Benjamin Schwab



