Historische Entwicklung

Anfänge des burgenländischen Judentums

Zur ersten Ansiedlung von Juden im heutigen Burgenland dürfte es gegen Ende des 13. Jhs. gekommen sein. Aus der Steiermark, Kärnten und Niederösterreich vertriebene Juden fanden vielfach Zufluchtsorte in Westungarn, z.B. in Eisenstadt, Güssing, Rechnitz und Schlaining.

Nach der Schlacht bei Mohács 1526 und der darauf folgenden Ausweisung der Juden aus Ödenburg und anderen ungarischen Städten nach siedelten sich viele Vertriebene auf heutigem burgenländischem Gebiet, beispielsweise in Mattersdorf/Mattersburg oder Kobersdorf, an. Auch in Lackenbach, Neckenmarkt, Rechnitz, Kittsee, Deutschkreutz und Neufeld an der Leitha werden im 16. Jh. jüdische Bewohner genannt.

In den bereits bestehenden jüdischen Siedlungen im Burgenland wurde den Juden, die im Jahre 1670 auch aus Wien und Niederösterreich ausgewiesen wurden, die Ansiedlung gestattet. In diesem Zusammenhang kam es zur Gründung einer jüdischen Gemeinde in Frauenkirchen. So entstanden im Bereich der esterházyschen Herrschaft im nördlichen und mittleren Teil des Burgenlandes die „Sieben Gemeinden“ (Scheva Kehillot) mit Eisenstadt, Mattersdorf, Kobersdorf, Lackenbach, Frauenkirchen, Deutschkreutz und Kittsee und im Süden unter dem Schutz der Grafen Batthyány die drei Gemeinden Rechnitz, Schlaining und Güssing „Schutzbriefe“ der Grundherren, die sich davon wirtschaftliche Vorteile erhofften, regelten die Rechte und Pflichten der Juden. Sie mussten regelmäßig Schutzgebühren entrichten, durften dafür aber in Krisenzeiten den Schutz der Herrschaft in Anspruch nehmen.

(© Herbert Brettl)

Ansiedlung der Juden in Frauenkirchen

Zur ersten Ansiedlung von Juden im heutigen Burgenland dürfte es gegen Ende des 13. Jhs. gekommen sein. Aus der Steiermark, Kärnten und Niederösterreich vertriebene Juden fanden vielfach Zufluchtsorte in Westungarn, z.B. in Eisenstadt, Güssing, Rechnitz und Schlaining.

Nach der Schlacht bei Mohács 1526 und der darauf folgenden Ausweisung der Juden aus Ödenburg und anderen ungarischen Städten nach siedelten sich viele Vertriebene auf heutigem burgenländischem Gebiet, beispielsweise in Mattersdorf/Mattersburg oder Kobersdorf, an. Auch in Lackenbach, Neckenmarkt, Rechnitz, Kittsee, Deutschkreutz und Neufeld an der Leitha werden im 16. Jh. jüdische Bewohner genannt.

In den bereits bestehenden jüdischen Siedlungen im Burgenland wurde den Juden, die im Jahre 1670 auch aus Wien und Niederösterreich ausgewiesen wurden, die Ansiedlung gestattet. In diesem Zusammenhang kam es zur Gründung einer jüdischen Gemeinde in Frauenkirchen. So entstanden im Bereich der esterházyschen Herrschaft im nördlichen und mittleren Teil des Burgenlandes die „Sieben Gemeinden“ (Scheva Kehillot) mit Eisenstadt, Mattersdorf, Kobersdorf, Lackenbach, Frauenkirchen, Deutschkreutz und Kittsee und im Süden unter dem Schutz der Grafen Batthyány die drei Gemeinden Rechnitz, Schlaining und Güssing „Schutzbriefe“ der Grundherren, die sich davon wirtschaftliche Vorteile erhofften, regelten die Rechte und Pflichten der Juden. Sie mussten regelmäßig Schutzgebühren entrichten, durften dafür aber in Krisenzeiten den Schutz der Herrschaft in Anspruch nehmen.

(© Herbert Brettl)

Jüdisch orthodoxe Kultursgemeinde von Frauenkirchen

Die Frauenkirchner Juden lebten nach allen Regeln der Religion und Gelehrsamkeit in einer gut organisierten orthodoxen Gemeinde. Im jüdischen Viertel befanden sich alle Einrichtungen, die für ein jüdisches Gemeindeleben notwendig waren.

Als Gebetsraum diente zunächst nur ein Zimmer, um 1749 wurde dann eine eigene Synagoge gebaut. Nach einer Feuerkatastrophe wurde 1843 ein neues, größeres, zweistöckiges, im Biedermeierstil errichtetes Tempelgebäude fertiggestellt.

Das geistige Oberhaupt und die oberste Autorität der Kultusgemeinde war der Rabbiner. Das Rabbinat war für die Bereiche Religion, Erziehung und religiöse Rechtssprechung und darüber hinaus auch für die Leitung der Gemeinde zuständig, die teilweise dem Gemeindevorstand übertragen wurde. Simon Löwy war von 1892 bis 1938 der letzte Rabbiner in Frauenkirchen.

Zudem beschäftigte die Kultusgemeinde, zu der auch die jüdischen Bewohner der umliegenden Region gehörten, einen Kantor und einen Tempeldiener.

Ein Zentrum des religiösen, geistigen und gesellschaftlichen Lebens innerhalb der jüdischen Gemeinde war die Schule, sie war auch Bewahrerin von Tradition und Religion. Als letzter Schulleiter der israelitischen Volksschule fungierte bis 1938 Moses Krausz.

Um dem orthodoxen Ritus gerecht zu werden, unterhielt die Kultusgemeinde einen Schächter, eine koschere Fleischerei, eine Bäckerei und eine Weinschenke. In der jüdischen Gemeinde entwickelte sich ein reges, zumeist religiöses Vereinsleben. So gab es den Beerdigungsverein „Chewra Kaddischa“, den Wohltätigkeitsverein „Kinjam Olam“, einen Jugendverein, einen Frauenverein und einen Krankenunterstützungsverein.

Die jüdische Bevölkerung Frauenkirchens war mehrheitlich fromm und lebte nach traditioneller orthodoxer Art und Weise. In der gebildeten Bevölkerung gab es auch assimilierte Juden, die sich jedoch dem orthodoxen Leben nicht entgegenstellten.

(© Herbert Brettl)

Wirtschaftliche Situation

Der größte Teil der jüdischen Bevölkerung in Frauenkirchen war als Händler tätig. Handwerksberufe wurden auf Grund von zahlreichen Vorschriften und Verboten zunächst kaum von Juden ausgeübt. Eine Beschreibung aus 1754 ergibt, dass die meisten bescheiden bis armselig lebten und als Botengänger oder kleine Hausierer ihre Existenz fristeten. Die jüdischen Geschäfte handelten zumeist mit Schnitt- und Tuchwaren, auf die sie praktisch ein Monopol hatten.
Beginnend mit dem Toleranzpatent Josefs II. im Jahre 1783 begann die Zeit der allmählichen Gleichstellung. Den Juden wurden mehr Rechte eingeräumt, sie wurden zu allen Berufen zugelassen. 1860 wurde den Juden in Ungarn der Grunderwerb bzw. die Aufenthalts- und Niederlassungsfreiheit gewährt, was zu einer Migrationsbewegung nach Wien führte. Die völlige Gleichstellung erfolgte 1867 durch das Staatsgrundgesetz.
Die jüdischen Kaufleute nützten die neuen Rechte, ergriffen neue Handels- und teilweise Handwerksberufe und agierten wirtschaftlich oft sehr erfolgreich. Bestimmte Branchen, z.B. den Textil- und Schnittwarenhandel, Brenn- und Baumaterialienhandel, Frucht- und Viehhandel oder Schuh- oder Lederhandel bestimmten die Juden in Frauenkirchen vollkommen.
Ebenso entstammten alle drei Ärzte und der Apotheker in Frauenkirchen der jüdischen Bevölkerung. Während die vermögenden Familien gut eingerichtet und modern geführte Geschäfte in der Franziskaner- und Hauptstraße betrieben, lebten die Bewohner im ehemaligen Judenviertel in sehr bescheidenen Verhältnissen.
Frauenkirchen wurde durch den Handelsaufschwung zum Versorgungszentrum der Region.

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Antisemitismus

Die mittelalterliche und neuzeitliche Geschichte der Juden im Burgenland bzw. in Österreich ist geprägt von Vertreibung und Aussiedlung. Ursachen dafür sind politische Ereignisse und religiöser Antisemitismus. Besonders in Krisenzeiten bei religiösem Aufruhr, bei Naturkatastrophen, bei Epidemien oder bei sozialen Spannungen kamen die antijüdischen Vorurteile und Stereotypen zum Ausbruch.

So wurde gegenüber den Juden beispielsweise der Vorwurf erhoben, sie würden christliche Kinder zu rituellen Zwecken töten oder geweihte Hostien schänden. Es wurde ihnen vorgeworfen, durch Wucher zur Verarmung der christlichen Bevölkerung beizutragen, nachdem ihnen jede Handwerkstätigkeit – außer für den Eigenbedarf – untersagt worden war und sie auch per Gesetz vom Landbesitz und damit von der landwirtschaftlichen Tätigkeit ausgeschlossen worden waren und sie sich somit verstärkt dem Handel und auch dem Geldhandel zugewandt hatten zumal dieser Geldhandel von der Kirche als „Wucher“ abgelehnt wurde. Im 19. Jahrhundert wurden die Juden zudem diffamiert, eine „Weltverschwörung“ zu planen, um die Weltherrschaft zu erlangen. Die Folgen all dieser Anschuldigungen waren für die jüdische Bevölkerung in den meisten Fällen verheerend, da sie zum Auslöser von Diskriminierung, Verfolgung, Vertreibung und von Massakern wurden.

Obwohl in Teilen der Bevölkerung ein latenter Antisemitismus vorhanden war, wird in Frauenkirchen das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden als ein friedliches Miteinander beschrieben. Die Märzereignisse des Jahres 1938 zeigen jedoch deutlich, dass es einen latenten bodenständigen Antisemitismus gab, der mit der NS-Machtübernahme offen zu Tage trat. Dieser Antisemitismus war weniger rassistisch oder religiös, sondern war wirtschaftlich geprägt.

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März 1938

Am 11. März 1938 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht im Burgenland. Auch NS-Funktionäre und Anhänger aus Frauenkirchen waren bei der Machtübernahme in Eisenstadt dabei und kehrten am Abend in den Ort zurück. Die Nationalsozialisten übernahmen die Gemeindegeschäfte und die Polizeistation und starteten noch am selben Abend die ersten Einschüchterungsaktionen und Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung.

Am 13. März wurden die Jüdinnen und Juden verhaftet und im „Schlössel“, wo ein Internierungslager eingerichtet worden war, mehrere Tage eingesperrt. Dort wurden sie misshandelt, ihrer Papiere beraubt und mussten ihr Vermögen deklarieren. In den nächsten Tagen folgten Terror, Einschüchterung, Demütigungen, Boykott der Geschäfte und Diebstahl. Die jüdischen Geschäfte und Häuser wurden von der Gestapo abgeschlossen und versiegelt.

In den folgenden Tagen wurden diese Geschäfte des öfteren von örtlichen NS-Mitgliedern und Mitläufern teilweise unter Aufsicht der Ortsgendarmerie wieder aufgebrochen und ausgeraubt. Zudem begannen Gestapo-Leute und örtliche NS- Funktionäre Hausdurchsuchungen bei der jüdischen Bevölkerung durchzuführen und Wertsachen zu konfiszieren.

In den folgenden Tagen wurde die männliche jüdische Bevölkerung von Gestapobeamten verhört und auch mittels Gewalt dazu gezwungen, eine Vermögensverzichtserklärung abzugeben. Zudem wurde ihnen aufgetragen, das Deutsche Reich innerhalb von 14 Tagen zu verlassen, was jedoch undurchführbar war, da die Nachbarländer bereits die Grenzen für Juden geschlossen hatten. Am 26. März verhaftete die Gestapo zehn der wohlhabenderen Familien, ungefähr 60 Personen, und trieb sie über die ungarische Grenze, wo sie tagelang im Niemandsland umherirrten.

(© Herbert Brettl)

Ende der jüdischen Gemeinde Frauenkirchen

Den von örtlichen Parteiformationen gelenkten, „wilden“ Ausschreitungen vom März 1938 folgten nun die von oberer Stelle organisierten Maßnahmen zur Zerstörung der jüdischen Gemeinden. Diese trugen vielfach die Handschrift des Gauleiters Tobias Portschy, der in einer Rede am 25. März 1938 ankündigte, dass die „Juden aus der Deutschen Volksgemeinschaft ausgeschlossen würden“. Früher als in anderen Bundesländern kam es im Burgenland zu Enteignung, Vertreibung und Deportation jüdischer Familien.

Ende April 1938 erhielten weitere 60 jüdische Familien aus Frauenkirchen die Aufforderung, ihren Heimatort innerhalb von 14 Tagen zu verlassen. Nachdem vergeblich versucht worden war, Aufnahmeländer für die Frauenkirchner Juden zu finden, wurden sie unter Zwang nach Wien ausgesiedelt. Bis Ende Juni erhielten die letzten noch verbliebenen Juden ihre Ausweisungsbefehle zugestellt. Mit nur kleinen Gepäcksstücken mussten sie sich am Bahnhof einfinden, um dort auf Viehwaggons geladen zu werden. Bewohner mit ungarischer und slowakischer Staatsangehörigkeit wurden weiter über die Grenzen abgeschoben.

Am 13. August 1938 meldete das Gendarmeriepostenkommando Frauenkirchen, dass sich noch drei Judenfamilien und eine Jüdin in Frauenkirchen befänden. Unter den noch Verbliebenen war die Apothekerfamilie Sugar, der von der Gestapo die Abwanderung erst erlaubt wurde, wenn ein neuer Apotheker gefunden werden konnte. Kurze Zeit später waren bereits alle jüdischen Bewohner vertrieben. Die jüdische Gemeinde, die seit 1678 260 Jahre in Frauenkirchen bestanden hatte und für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung der Marktgemeinde verantwortlich war, wurde in nur fünf Monaten Naziherrschaft ausgelöscht.

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„Arisierungen“ / Enteignung jüdischen Besitzes zugunsten von Nichtjuden

Schon Anfang April 1938 wurden allen jüdischen Geschäftsleuten und Handwerkern die Schlüssel zu ihren Betrieben abgenommen, die kleinen Betriebe geschlossen und die Warenlager meist weit unter ihrem Wert abverkauft. Die großen Betriebe wurden beschlagnahmt und unter kommissarische Verwaltung gestellt. Bis Anfang April erfolgten die Beschlagnahmungen ohne „staatliche“ Kontrolle durch die örtlichen NSDAP-Funktionäre und erst danach wurden kommissarische Leiter eingesetzt. Diese kommissarischen Verwalter trachteten dann häufig danach, die von ihnen verwalteten Geschäfte und Liegenschaften in ihren Besitz zu bringen, was ihnen häufig auch gelang.

Im Zuge des „Arisierungsverfahrens“ wurde der jüdische Besitz weit unter seinem wahren Wert geschätzt. Vor allem NSDAP-Mitglieder und Funktionäre nutzten ihre Positionen aus und bereicherten sich an jüdischem Besitz, indem sie diesen zu Schleuderpreisen erwarben. Auch die politische Gemeinde Frauenkirchen konnte den Großteil der angestrebten jüdischen Objekte relativ günstig erwerben. Dabei wurden auch pfandrechtliche Versteigerungen, vielfach grotesk konstruiert, eingesetzt, um kostengünstig an Immobilien zu gelangen. Nach Überprüfungen durch die NS-Reichsstatthalterei wurde festgestellt, dass Einzelne sowie die Gemeinde sich persönlich bereichert hatten, sodass fallweise die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurde. Die Gemeinde hatte jedoch in einzelnen Fällen Häuser schon weiterverkauft, bevor sie noch selbst Eigentümerin der Liegenschaften geworden war. Diese Vorgehensweise führte zu juristischen Problemen, die vielfach bis Kriegsende nicht gelöst wurden.

(© Brettl Herbert)

Ghetto – Flucht – Exil

Die nach Wien abgeschobenen Juden fanden zumeist bei Verwandten oder Freunden Unterkunft bzw. wenn dies nicht der Fall war, wurden sie jüdischen Familien zugeteilt. Ende Juli 1938 befanden sich 222 Juden aus Frauenkirchen in Wien.

In Wien betrieben sie ihre Emigrationsansuchen weiter. Je länger die Wartezeit auf ein Aufnahmeland dauerte, desto schwieriger wurde es für die Flüchtlinge, das Deutsche Reich zu verlassen. Das Ghetto in Wien wurde für die Vertriebenen eine Zeit des Wartens und Hoffens auf ein Aufnahmeland. Eine Zeit, die zunehmend zum Wettlauf mit dem Tode werden sollte. Mit dem Kriegsausbruch am 1.September 1939 wurde die Möglichkeit zur Flucht und Vertreibung der Juden aus dem „Deutschen Reich“ noch mehr eingeschränkt.

Rund 30 jüdische Familien flohen nach Ungarn und in die Slowakei. Als die Diktatoren dieser Staaten mit dem NS-Regime in Deutschland zusammenarbeitenden, saßen sie „in der Falle“. Aus Verzweiflung begingen im Juni 1944 der ehemalige Gemeindearzt von Frauenkirchen Dr. Johann György und seine Familie im Budapester Ghetto Selbstmord. Nur die wenigsten Flüchtlinge überlebten den Terror und die Deportationen. Ebenso fielen die nach Westeuropa sowie nach Frankreich und Belgien Geflohenen nach Kriegsbeginn wieder in die Hände der Nationalsozialisten.

Trotz Beschränkungen gelang es rund 100 Frauenkirchener Juden in Palästina Aufnahme zu finden. Für die religiös Orthodoxen war Palästina der Garant dafür, ihr religiöses frommes Leben weiterführen zu können. Die meisten Flüchtlinge waren in den jeweiligen Aufnahmeländern zumeist nur geduldete Almosenempfänger, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden.

(© Herbert Brettl)

Holocaust

Nach Kriegsbeginn änderte die Führung des nationalsozialistischen Deutschlands ihre Politik gegenüber den Juden und begann, diese systematisch zu deportieren und umzubringen.

Bereits im September 1939 wurden staatenlose Juden in Wien verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht. Die unmenschlichen Lagerbedingungen und die grausame Behandlung führten dazu, dass bis zum Sommer 1940 bereits zwei Drittel der Häftlinge, darunter auch Juden aus Frauenkirchen, verstorben oder getötet waren.

Im Oktober 1939 wurden tausende Juden über die Grenze in die Sowjetunion getrieben. 1941 begannen weitere Deportationen in Ghettos in das „Generalgouvernement“ Polen. Alleine im Ghetto Modliborzyce fanden 13 Juden aus Frauenkirchen wegen der unzureichenden Versorgung den Tod.

Noch im selben Jahr folgten weitere Massendeportationen in die Ghettos von Lodz, Riga, Lublin und Minsk. Viele der Deportierten wurden bald als „arbeitsunfähig“ eingestuft und 1942 ins KZ Chelmno transportiert und ermordet. Ab Mai 1942 wurde das Ghetto in Minsk geräumt und die Insassen in das SS-Lager Maly Trostinec gebracht, wo es zu Massenerschießungen kam. 1942 wurden alle noch in Wien Verbliebenen in Konzentrationslager und Ghettos abtransportiert und kurze Zeit später weiter in die Vernichtungslager Belzec, Treblinka, Chelmno, Majdanek, Sobibor und Auschwitz gebracht, wo sie fast ausnahmslos ermordet wurden. Viele jüdische Flüchtlinge, die sich in Westeuropa, Ungarn und der Slowakei aufhielten, ereilte dasselbe Schicksal.

In den letzten Kriegsmonaten wurden zehntausende ungarische Juden, darunter auch welche aus Frauenkirchen, zum Südostwallbau und ins Konzentrationslager Mauthausen getrieben. Tausende dieser Zwangsarbeiter starben an Erschöpfung, Typhus, mangelnder Ernährung oder durch Erschießungen.

(© Herbert Brettl)

Nach 1945

Von jenen jüdischen Bewohnern, die die nationalsozialistische Zeit überlebten, kehrte nach 1945 kaum jemand in seine ehemalige Heimat zurück. Ihre Häuser in Frauenkirchen waren oft abgerissen, verwahrlost und in einem schlechten Zustand, teilweise waren sie immens belastet und die Zahlungen wie Rechtsanwaltskosten waren relativ hoch.

Die Rückkehr wurde der jüdischen Bevölkerung somit sehr uninteressant gemacht. Zudem war das Verhältnis der überlebenden Juden zu ihrer alten Heimat und ihren Bewohnern nach den Ereignissen der Naziherrschaft verständlicherweise gestört und nicht reparierbar, sodass eine Rückkehr nach Frauenkirchen nicht in Frage kam.

Die Gesetzgebung der wiedererrichteten Republik Österreich ermöglichte den früheren Besitzern aufgrund der „Wiedergutmachungsgesetze“ die Rückstellung ihrer Besitzungen. Die Maßnahmen wurden aber langwierig und sehr unbefriedigend durchgeführt. Sie zogen sich vielfach über Jahre und Jahrzehnte hin, da ein Großteil der jüdischen Bevölkerung oder ihrer Nachkommen im Ausland lebte und oft auch nicht mehr über die Besitzdokumente verfügte oder vom Besitz nichts wusste. Viele der verunsicherten jüdischen Eigentümer trachteten deshalb, ihren Besitz so schnell wie möglich, zu oft günstigen Preisen, zu verkaufen.

Die einstige jüdische Kultur von Frauenkirchen ist nur noch am Friedhof erkennbar. Am Standort des ehemaligen jüdischen Tempels, befinden sich heute teilweise ein Parkplatz und ein kleiner umzäunter Platz.

(© Herbert Brettl)