Die Gedenkstätte „Garten der Erinnerung“
Der Standort des ehemaligen jüdischen Tempels blieb unbebaut und im Besitz der Kultusgemeinde Wien. Jahre hindurch wurde der freie Platz als Mülldeponie verwendet. Paul Rosenfeld ließ 1972, den Platz des ehemaligen jüdischen Tempels einzufrieden.
Im Dezember 2011 gründete eine Personengruppe den Verein „Initiative Erinnern Frauenkirchen“. Dieser Verein machte es sich zur Aufgabe, die verschiedenen Erinnerungsstätten im Raum Frauenkirchen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen: Insbesondere Relikte der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Frauenkirchen, ehemalige Friedhöfe und andere historisch bedeutsame Plätze und Gebäude.
Nachdem die Künstlerin Dvora Barzilai und der Architekt Martin Promintzer als Gestalter gewonnen werden konnten, kam man überein, den gesamten vorhandenen Platz als Gedenkstätte einzurichten. Als formaler Ansatz wurde die Form eines Gartenhofes gewählt, der den Ort und den Raum des zerstörten Tempels widerspiegeln soll. Für den Gedenkort wählte man die Bezeichnung „Garten der Erinnerung“.
Nachdem die Israelitische Kultusgemeinde Wien und die Stadtgemeinde Frauenkirchen als Partner gewonnen werden wurde im März 2013 der Spatenstich durchgeführt. Bei Baggerarbeiten für Fundamente stieß man auf Gebäuderelikte, sodass die Bauarbeiten ruhend gestellt wurden. Archäologen konnten bei der Fundstelle die Relikte der ehemaligen barocken Synagoge von Frauenkirchen sicherstellen. Nach Adaptierung des Projektplanes – die Ausgrabung und die wiederaufgefundenen Tempelsäulen wurden in das Konzept aufgenommen – konnten die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden.
Der Gedenkpark ist an drei Seiten von Mauern umgeben, sodass ein Hofraum entsteht, der einen Tempel abbildet und auch dessen Grundelemente in abstrahierter Form beinhaltet. Nach Außen manifestiert sich die Gedenkstätte durch eine „Schirmwand“ als Abschluss zum davor liegenden Platz. Diese leicht vor die Gebäudefronten gesetzte Wand, die stilistisch die ehemalige Tempelfront skizziert, gewährleistet auch die Sichtbarkeit des Denkmals vom Zugangsweg. Beim Eintreten in die Anlage entsteht der Eindruck von „Ruhe“ (Garten), durch die Verwendung von klaren Materialien (Sichtbeton, Stein und Glas) und einfachen geometrischen Formen. Innen befinden sich die drei wesentlichen Elemente der Gedenkstätte. Eine Plastik im Zentrum der Anlage bestehend aus einer abstrahierten Thorarolle aus Bronze auf kubischem Steinsockel (Bima), zum Gedenken an die jüdische Gemeinde und den zerstörten Tempel. Die durch einen Glaskubus geschützte Ausgrabungsstätte mit den Fragmenten der ehemaligen barocken Synagoge und den zerbrochenen Säulen, die auf die Zerstörung des Tempels hinweisen. Im Glaskubus befinden sich weiter ein Modell des ehemaligen jüdischen Viertels von Frauenkirchen und Fundgegenstände. Das dritte Element des Gedenkparks sind die Tafeln mit den Namen der vertriebenen jüdischen Familien, die metaphorisch auf einen Thoraschrein Bezug nehmen. Zudem bietet ein digitales Informationssystem den Besuchern die Möglichkeit in vier Sprachen sich über die Geschichte der Juden in Frauenkirchen zu informieren. Eine Sitzgelegenheit soll die Betrachter um längeren Aufenthalt einladen. Der „Garten der Erinnerung“ will sowohl informieren und erinnern als auch zum Gedenken und Verweilen anregen. 2016 konnte die Gedenkstätte fertiggestellt werden.
(© Herbert Brettl)



